„Die Täter sind leider sehr überzeugend“

Ob Schockanruf, falsche Polizisten oder dubiose Nachrichten aufs Handy – Betrugsmaschen werden immer raffinierter. Besonders ältere Menschen geraten dabei ins Visier.
Wir haben mit Daniel Weise von der Polizeilichen Beratungsstelle der Landespolizeiinspektion Erfurt gesprochen – über aktuelle Entwicklungen, typische Tricks und darüber, wie man sich schützen kann.

Herr Weise, wie groß ist das Problem aktuell?
Die Zahlen zeigen deutlich, dass das Thema weiterhin sehr relevant ist. Im Jahr 2025 wurden in Thüringen 3.201 Fälle von Telefontrickbetrug registriert. Der entstandene Vermögensschaden liegt bei rund 5,3 Millionen Euro. Besonders betroffen sind ältere Menschen – vor allem in der Altersgruppe zwischen 70 und 89 Jahren.  

Warum sind gerade ältere Menschen häufiger betroffen?
Die Täter nutzen gezielt Eigenschaften aus, die eigentlich positiv sind: Vertrauen, Hilfsbereitschaft und Verantwortungsgefühl gegenüber der Familie.
Gerade bei emotionalen Geschichten reagieren viele Menschen verständlicherweise sofort. Und genau darauf bauen die Täter.

Welche Betrugsmaschen kommen am häufigsten vor?
Es gibt einige Klassiker, die immer wieder auftauchen – oft auch in Kombination.
Die häufigsten Varianten sind:

Können Sie ein Beispiel für so einen Schockanruf geben?
Ein typischer Fall: Am Telefon meldet sich jemand und behauptet, ein naher Angehöriger habe einen schweren Unfall verursacht. Dann wird erklärt, dass nur durch eine sofortige Zahlung –oft als „Kaution“ bezeichnet – eine Haft vermieden werden kann.  
Wichtig zu wissen: In Deutschland fordert weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft Geld am Telefon.  

Viele geben sich als Polizei aus. Wie funktioniert das?
Bei dieser Masche melden sich angebliche Polizeibeamte und berichten von Einbrüchen in der Nachbarschaft. Sie behaupten, Wertsachen seien nicht mehr sicher, und bieten an, diese „in Verwahrung zu nehmen“. Das Ergebnis: Die Betroffenen übergeben Bargeld oder Schmuck – und sehen beides nie wieder.
Auch hier gilt ganz klar: Die Polizei nimmt niemals Geld oder Wertgegenstände zur Aufbewahrung entgegen.

Und wie sieht es bei digitalen Betrugsversuchen aus?
Ein sehr häufiger Fall ist die Nachricht über Messenger-Dienste: Jemand gibt sich als Sohn, Tochter oder Enkel aus und behauptet, eine neue Nummer zu haben. Kurz darauf folgt die Bitte um Geld – meist wegen eines angeblichen Notfalls.  
Unser Rat: Zuerst unter der bekannten Nummer zurückrufen. Nicht einfach glauben, was in der Nachricht steht.

Gibt es auch Betrug rund ums Bankkonto?
Ja, auch das kommt häufig vor. Täter geben sich als Bankmitarbeiter aus und behaupten, das Konto sei unsicher oder es gäbe verdächtige Buchungen. Im Gespräch versuchen sie dann, an sensible Daten wie PIN oder Zugangsdaten zu kommen.  
Wichtig: Bank oder Polizei fragen nie nach solchen Daten.

Was raten Sie ganz grundsätzlich in solchen Situationen?
Es gibt ein paar einfache Regeln, die viel helfen können:

Und ganz wichtig: lieber einmal zu viel skeptisch sein als einmal zu wenig.

Ein kurzer Selbst-Check
Wenn Sie unsicher sind, hilft oft ein einfacher Gedanke:

Wenn hier Zweifel aufkommen, ist Vorsicht angesagt.
Betrugsmaschen werden sich weiter verändern. Umso wichtiger ist es, informiert zu bleiben und auch im eigenen Umfeld darüber zu sprechen – gerade mit älteren Angehörigen. Denn am Ende gilt: Nicht jede freundliche Stimme am Telefon meint es auch gut.

Weitere Informationen finden sie unter: www.polizei-beratung.de

Daniel Weise von der Polizeilichen Beratungsstelle im Gespräch 
mit KOWO-Quartiermanagerin Afnan Sadi und dem Kontaktbereichsbeamten Mike Wedekind
Daniel Weise von der Polizeilichen Beratungsstelle im Gespräch
mit KOWO-Quartiermanagerin Afnan Sadi und dem Kontaktbereichsbeamten Mike Wedekind
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